Dienstag, Juli 29, 2008

Buchclub 9 - "Derek Jarman's Garden" von Derek Jarman

Sommerzeit ist Gartenzeit

Egal, ob man einen eigenen Garten hat, eine Terrasse, einen Balkon, oder nur ein Fensterbrett zur Verfügung steht, gärtnern kann man fast überall. Wichtig dabei ist vor allem, nicht an klassischen Vorgaben, wie ein Garten auszusehen hat, festzuhalten.

Das hat auch Derek Jarman in Dungeness, in der südöstlichen Ecke von England beherzigt. In einer Gegend die sich aufgrund der exponierten geologischen und klimatischen Lage wenig für klassische Gärten eignet, hat er in den 90er Jahren einen ganz eigenen, den Gegebenheiten angepassten Garten geschaffen, der als Inspiration für eigene Ambitionen dienen kann.
"I am so glad there are no lawns in Dungeness. Lawns, it seems to me, are against nature, barren and often threadbare - the enemy of a good garden. [...] My garden is ecologically sound, though work of any kind disrupts the existing terrain. In any case, so many weeds are spectacular flowers: the white campion, mallow, rest-harrow and scabious look wonderful. Introducing these local flowers into the garden makes a little wilderness at the heart of paradise"
Auch wenn Derek Jarmans Garten nicht den Ruf des Monet Gartens im französischen Giverny erreichen wird, was Jarman in der kargen Landschaft von Dungeness gelungen ist, ist einfach sehenswert. Und für alle, nicht nur für die, denen eine Reise dorthin zu aufwendig erscheint, ist dieses Buch einfach eine Empfehlung wert.

Mittwoch, Juli 23, 2008

Erst kommt der Gewinn, dann die Moral

Google, Yahoo, Eutelsat - die Herolde der freien Kommunikation

Wieder ein Vorfall von Rückgratlosigkeit eines westlichen Wirtschaftsunternehmens in seinen Beziehungen zu China. Eutelsat schaltet den privaten chinesischen Fernsehsender NTDTV ab, um sich dem Regime in Peking gefällig zu zeigen und eventuell neue Aufträge zu erhalten.
Näheres in diesem -> Hintergrundbericht.
Dazu ein Zitat direkt von der Eutelsat-Homepage:
For millions of homes, the Group's satellites are synonymous with openness and exchange, offering high-speed access to information around the world.

Interacting with your world - eutelsolutions
Auf diese Eutelsolutions können wir gerne verzichten. Moral und Konzerne sind einfach nicht kompatibel, so viele CSR-Seiten können sie gar nicht in ihre Bilanzen aufnehmen.

Dienstag, Juli 22, 2008

Wider die große Scheinheiligkeit

Verbrechen bleiben Verbrechen und der Zweck heiligt eben nicht die Mittel

Radovan Karadzic ist endlich verhaftet worden - wie freue ich mich. Ein Kriegsverbrecher mehr, der angeklagt werden kann.

Aber was ist eigentlich ein Kriegsverbrecher?

Die wichtigste Voraussetzung scheint zu sein, einen Krieg verloren zu haben. Sieger, egal welcher Nationalität oder Gesinnung, waren noch nie Kriegsverbrecher.
Hast du einen Krieg angefangen, macht nichts, hast du den Tod von zehntausenden von Zivilisten in Kauf genommen, macht nichts, zähl sie einfach nicht, du hast Regime gestürzt oder sie in blutige Bürgerkriege verwickelt, wen interessiert es, deine "Smart bombs" haben wahllos Männer, Frauen, Kinder zerfetzt, verstümmelt, verbrannt, du bist auf der sicheren Seite, solange es keine Bilder davon gibt (das nennt man dann übrigens "embedded journalism", früher hat man das einfach Kriegspropaganda genannt), du entführst Menschen, verschleppst, inhaftierst und folterst sie, sei unbesorgt, bezeichne sie einfach als Terroristen und dir wird vergeben.
Kriegsverbrechertribunal, Internationaler Strafgerichtshof, die werden dich nicht belästigen, denn die haben Wichtigeres zu tun, nämlich sich mit denen zu befassen, die die wichtigste Regel missachtet haben - mit den Verlierern!

Will ich hier die Greueltaten des jüngsten Balkankrieges verharmlosen?

Keinesfalls, ganz im Gegenteil - Krieg ist das Schrecklichste das passieren kann, nur das Märchen vom guten und vom bösen Krieg, das sollten wir endlich begraben. Die, die einen Krieg beginnen, sollten zur Rechenschaft gezogen werden, doch wenn sie gewinnen, ist das nicht mehr möglich. Aus diesem praktischen Grund bin ich gegen all diese selbstgerechten, anmaßenden Tribunale.
Ist es nicht eine Verhöhnung, wenn der "Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Yugoslawien" ausgerechnet in dem Land eingerichtet worden ist, dessen Blauhelm-Truppen das "Massaker von Srebrenica" nicht verhindert haben? Und wie wagt es eine internationale Gemeinschaft über "Andere" zu richten, hat sie mit der Einrichtung der Schutzzone von Srebrenica und der folgenden Demilitarisierung der bosniakischen Einheiten doch eine Sicherheit vorgegaukelt, die sie dann nicht bereit war zu verteidigen?

Selbst unsere Kinder werden im Geschichtsunterricht ja nach wie vor mit einer zweifelhaften Kriegsmoral konfrontiert, die dem Sieger immer Recht gibt. Was ist zum Beispiel so toll an einem Alexander aus Makedonien, genannt der "Große", der die Länder von Griechenland bis Ägypten und Indien mit Krieg überzogen hat und tausende Tote zu verantworten hat?

Leider haben auch die Grünen in Deutschland unter ihrem ehemaligen Außenminister Joschka Fischer, der in ekelerregenderweise zum reinen Machtpolitiker verkommen ist, ihren Grundsatz "Nie wieder Krieg" aufgegeben.
So befinden sich internationale Truppen in Afghanistan um den "Terror" zu bekämpfen - wieviele afghanische Terroristen kennst du eigentlich? Millionenbeträge stehen für zweifelhafte militärische Einsätze (->schon wieder zivile Opfer) bereit, während für den so wichtigen Bau von öffentlichen Schulen, um den indoktrinierenden "Koranschulen" endlich etwas entgegensetzen zu können, private Initiativen betteln gehen müssen (z.B: die Kinderhilfe Afghanistan).
Wer Krieg führt, bleibt nicht unschuldig und wer den Kriegführenden hilft, macht sich mitschuldig - der Rest ist Heuchelei.

"Den Frieden zu gewinnen und nicht den Krieg" war der bessere, wenn auch schwerere Ansatz.

Samstag, Juli 19, 2008

Nicht immer, nicht überall

Müssen alle Artikel zu jeder Zeit an jedem Ort zu haben sein?

Heute ist es selbstverständlich geworden alle Produkte immer verfügbar zu haben. Für gefertigte Güter ist das nicht so außergewöhnlich, doch haben wir dabei wohl vergessen, dass dies für landwirtschaftliche Produkte, für Lebensmittel nicht gilt, da Anbau- oder Wachstumsperioden nicht beliebig veränder- oder erweiterbar sind, da Wetterbedingungen höchstens gedämpft und nicht gesteuert werden können, da Ernteerträge nicht beliebig beeinflussbar sind.

Auf diese, eigentlich grundlegenden Fakten, nehmen ja auch Bestrebungen die auf regionales und vor allem saisonales Einkaufsverhalten setzen bezug (z.B. -> eat local challenge).
Erdbeeren im Winter, Äpfel im Frühling, Spargel im Herbst müssen nicht sein, da dieses angebotenen Obst oder Gemüse entweder sehr aufwendig produziert wird (z.B. beheizte Glashäuser), oder von sehr weit her transportiert werden muss.

Einen anderen Weg geht die Bio-Supermarkt-Kette Basic, indem sie offen verkündet, dass ein Produkt eben "zur Zeit nicht lieferbar ist". Begründet wird es auch - "Bio-Rohstoffe sind knapp, Ernteausfälle, saisonale Faktoren, zu hohe Nachfrage".
Mir ist ein offenes, ehrliches Kommunizieren der Tatsache, dass eben nicht immer alles verfügbar ist lieber, als die auf keine Kosten oder Produktionsbedingungen Rücksicht nehmende jederzeitige Bereitstellung von Lebensmitteln.

Und gute, saisonale, in der Region gewachsene Biolebensmittel schmecken einfach auch frischer und damit besser.

Donnerstag, Juli 17, 2008

Noch immer grün?

Was kommt nach der Umstellung auf eine "grünere" Lebensweise?

Das eigene Auto ist verkauft, das Fahrrad oder Öffis kommen zum Einsatz, Ökostrom fließt aus der Steckdose, die Fenster sind relativ neu und dicht, Energiesparlampen erhellen die Räumlichkeiten, die Wohnung ist klein aber dennoch groß genug, im Garten gibt es keine Kunstdünger oder Spritzmittel, eingekauft wird fair und bio, ach ja, und besonders wichtig, der Fernseher ist verschrottet.

Es gibt eine Menge an Dingen, an Verhaltensweisen die verändert werden können um nachhaltiger, umweltbewusster, energiesparender oder sozial verantwortlicher zu leben. Zu erkennen, dass das neue Jahrtausend mit seinen großen Herausforderungen neue Antworten braucht und diese dann auch umzusetzen, kann als beängstigende Last, oder als befreiende Schritte in eine bessere Zukunft gesehen werden.
Auf diese Veränderungen aktiv zuzugehen und sie in das eigene Leben zu integrieren, hinterlässt aber auch ein Gefühl zu einer Avantgarde zu gehören, die die Herausforderungen annimmt und Lösungen weiss, oder sie zumindest versucht.
Bücher wie "33 Schritte die Welt zu retten", oder "50 einfache Ideen mit großer Wirkung" oder wie die netten Ratgeber auch immer heissen sind doch Schnee von gestern, sind doch die Tips bereits umgesetzt und so schleicht sich eine eigenartige Leere, ein Unbehagen ein.
Was bleibt?

Warten, bis der Rest nachfolgt?
Zusehen, wie sich zu viele noch immer verweigern?
Hoffen, dass die Entscheidungsträger die Chancen der Veränderung erkennen und sich nicht hinter Ängsten und Befürchtungen verschanzen und weiter auf die alten, überholten Rezepte setzen?

Betrachtet man aktuelle Entwicklungen, stellt sich doch die Frage nach der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns - die Meere werden weiter leergefischt, zu Ende gehende Ressourcen werden in sinnlos kurzen Lebenszyklen von Produkten vergeudet, unser aller Lebensraum wird zerstört, ob durch Zersiedelung oder durch die voranschreitende Ausbreitung von Wüsten, die Weltbevölkerung nimmt weiter zu und will ernährt werden, verantwortungslose Konzerne bestimmen zunehmend über unser Leben, die einen Wirtschaftsfundamentalismus propagieren, der sein militant-radikales Gesicht immer deutlicher zeigt, wenn Bevölkerungen sich mit ihren Lebensinteressen nicht länger unterordnen wollen.

Und trotzdem lebt die Hoffnung auf ein besseres Morgen, auf ein friedliches Zusammenleben, auf einen bedachtvollen Umgang mit unseren Ressourcen, auf ein Leben mit weniger Gütern, dafür aber ein Leben mit mehr Lebensfreude in einer Umwelt, die nicht geschunden und vergiftet ist, in der auch andere Lebensformen ihren respektvollen Platz innehaben können - es lebt der Traum einer humaneren Gesellschaft, auch wenn sie nicht morgen verwirklicht sein wird.

Freitag, Juli 04, 2008

Über die Freiheit der Marktwirtschaft

Sind Finanzmärkte "gleicher" als andere Märkte?

"Money makes the world go around" - dieser überaus anmaßende Spruch sagt einiges aus in dieser verkehrten Welt, doch zunehmend wird das Geld der Klotz am Hals dieser Welt.
Wie die jüngste Erhöhung der Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigt, steht nicht die reale Wirtschaft mit der Güterproduktion und seinen Dienstleistungen im Mittelpunkt, sondern ausschließlich die Erhaltung des Geldwertes. Ausgelöst wurde der Schritt der EZB durch eine stark gestiegene Inflationsrate innerhalb der EU.
Was hat es mit der Inflation nun so aufsich?
Dazu ein Zitat aus der Online-Enzyklopädie Wikipedia:
Es verändert sich also das Austauschverhältnis von Geld zu allen anderen Gütern zu Lasten des Geldes.
Die Auswirkungen für den Einzelnen bedeuten damit, dass die EZB nur darauf schaut, dass das Geldeinkommen, also das Kapitaleinkommen seinen Wert behält, nicht aber zum Beispiel das Lohneinkommen. Die meisten von uns verfügen aber über keine nennenswerten Kapitalreserven sondern sind auf ihre Löhne und Gehälter angewiesen.
Zitiere ich nun einen Bericht von Börse-online, so ergibt sich folgendes Bild:
Volkswirte rechnen deshalb mit einer beschleunigten Abschwächung der sich ohnehin abkühlenden Euro-Konjunktur [...]
Auf der anderen Seite ist es höchst unwahrscheinlich, dass die EZB mit der Zinserhöhung die Inflation stoppen kann, kommt diese doch in erster Linie von kräftig gestiegenen Ölpreisen. Auf diese hat die EZB-Zinspolitik jedoch kaum Einfluss. Abwehren wird sie mit der geänderten Rhetorik und der nun bewiesenen Standfestigkeit jedoch eine vielfach befürchtete Lohn-Preis-Spirale.
Abwehren konnte sie eine Lohn-Preis-Spirale, also eine Entwicklung bei der gestiegenen Ausgaben gestiegene Einkünfte gegenüberstehen, also höheren Preisen höhere Löhne. Sollen wir jetzt darüber froh sein, dass die Wirtschaft zusätzlich belastet wird, dass der Lohn an Kaufkraft verliert, aber wenigstens die Kapitaleinkünfte der Reichen und Überreichen gesichert bleiben?
Der Finanz- oder Kapitalmarkt hat seine eigenen Gesetze, wobei eigenartige geschäftliche Machenschaften, persönliche Bereicherung, Überwälzung von Verlusten auf die Allgemeinheit, Steuerhinterziehung usw. im Mittelpunkt stehen dürften, wie die Auswahl an Berichten zeigt:
Die Regeln und Richtlinien im Wirtschaftsleben, vor allem am Finanzmarkt sind gestaltbar und müssen so nicht sein. Was wir akzeptieren oder was wir uns gefallen lassen liegt an uns. Es gäbe viel zu verändern und es ist an der Zeit damit zu beginnen!